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N°6 Zeder

Ich wachse langsam.
Meine Zeit ist eine lange Geduldigkeit,
An allem wuchs ich, was mir ward.
Kein Reif zu jäh, kein Frost zu hart.
Ich wachs am Dunkel, daraus ich stieg,
Ich wachs am Licht, darin ich mich wieg.
Ich wachs am Wurm, der an mir nagt,
Ich wachs am Sturm, der durch mich jagt.
Veredelnd zwing ich jede Kraft,
Hinauf zu dehnen meinen Schaft.
Ich dulde Blitz und Glut und Guss,
Ich weiss nur, dass ich wachsen muss.
Und schau ich hoch auf diese Welt,
Und kommt die Stunde, die mich fällt:
Schmück Tempel ich und Paradies
Des Gottes, der mich wachsen liess.

Gedicht über die Zeder, aus dem Orient. Juni 2026